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Seit nunmehr 7 Jahren bietet der Ausschuss Hochschulen und Forschungseinrichtungen (AHF) des BDG ein Podium zum Austausch zwischen den Studienberatern, Studiengangsmanagern, Studiendekanen und Studierendenvertretungen der geowissenschaftlichen Studiengänge an den Hochschulen Deutschlands. Eine diskussionsfreudige Runde traf sich am 8.5.2015 in angenehmer Atmosphäre am Institut für Geowissenschaften der Universität Jena. Herr Thomas Voigt hatte freundlicherweise die Organisation vor Ort übernommen. Mit 16 Teilnehmern, die trotz des Bahnstreiks angereist waren, ergab sich eine optimale Mischung aus Referenten-Beiträgen und Diskussionen.

Frau Simone Kroschel  von der Akkreditierungsagentur aqas gab einen Überblick zum Ablauf von Reakkreditierungen und zeigte die Unterschiede zwischen Programm- und Systemakkreditierung auf. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Agenturen in einem sehr engen gesetzlichen Rahmen agieren, weswegen wesentliche Teile des Ablaufs normiert sind.

Hinsichtlich der Standardfragen unterscheidet sich die Re-Akkreditierung (gültig für 7 Jahre) nicht sehr von der Erst-Akkreditierung (gültig für 5 Jahre), wobei der Blick auf die Umsetzung der genannten Empfehlungen gerichtet ist. Themenschwerpunkte:

Erfahrungsbasierte Veränderungen

Inhaltliche Weiterentwicklung

Anpassung an aktuelle politische Vorgaben

Absolventenbefragung/Verbleibsstudien

Ergebnis begleitender Evaluationen (UNI-intern)

Statistik (Auslastung, Prüfungsergebnisse, Abbrecherquote)

Auflagen (Empfehlungen der letzten Akkreditierung – mit entsprechenden Stellungnahmen im Selbstbericht.

Häufig auftretende Fragen sind hierbei:

Prüfungssystem – eine Prüfung pro Modul ist „Soll“-Bestimmung. Ausnahmen sind bei vernünftiger Begründung möglich.

Kompetenzorientierung („Learning outcomes“)

Anerkennung von Leistungen aus dem Ausland

Nachjustierung des Work loads.

Zusätzlich wird besonders der Frage nachgegangen, ob die Studiengänge neuen Entwicklungen angepasst sind und wie mit den Empfehlungen umgegangen wurde. Es ist durchaus legitim und erwünscht, auch negative Erfahrungen mit Empfehlungen darzulegen. Generell ist es von Vorteil, im Selbstbericht auffallende Zahlen oder Entwicklungen bereits im Selbstbericht zu kommentieren. Letztlich sind die Verfahren auf ein konstruktives Miteinander und weniger auf Konfrontation ausgerichtet, wie die Referentin ausführte.

 

Von erheblicher Bedeutung sind die Ergebnisse aus Gesprächen mit Fachschaft und Studierenden. Diese sollten möglichst schon im Selbstbericht miteinbezogen werden.

Der Übergang von der Progammakkreditierung zur Systemakkreditierung stellt einen einschneidenden Schritt dar und wird meist zwecks Kosteneinsparung von den Universitätsleitungen eingeleitet. Hier werden die Besonderheiten von Fächern, und das gilt im besonderem Maße für Geowissenschaften, kaum mehr berücksichtigt. Statistiken und universitätsinterne Evaluierungen nehmen an Bedeutung zu. Die Abhängigkeit der Institute von Stimmungen und Modeströmungen in den Rektoraten wächst, der Außenblick unabhängiger Gutachter nimmt ab, im positiven wie im negativen Sinne.

 

Erfahrungsberichte zu bereits gelaufenen und laufenden Reakkreditierungen rundeten diesen Tagesordnungspunkt ab. In der Diskussion zeigte sich das bekannte Dilemma des ECTS-Systems mit seinen auf Arbeitszeit und work loads normierten Rechenschemata, die für Geowissenschaften im höchsten Maße ungeeignet sind. Das Alleinstellungsmerkmal und die Forderung des Arbeitsmarktes nach Praxisnähe und hohem Gelände-Anteil sind nur bei einer sehr ausgeklügelten Studienprogrammplanung verwirklichbar. Probleme bereiten vor allem die stark angestiegenen Studierendenzahlen. Parallelkurse bei stagnierendem oder zurückgehendem Personalstand sind kaum mehr zu stemmen, zumal Berechnungen nach CNW auch die angemessene Abbildung von Parallelkursen im Lehrdeputat verhindern. Die Problemlösung lastet auf den Schultern der Studienorganisatoren.

 

Die Forderung „Ein Modul – eine Prüfung“, wie sie auch aus den Studentenprotesten des Jahres 2014 hervorging, wurde ebenfalls lange diskutiert. Ausnahmen von dieser „Soll-Bestimmung“ lassen sich gerade in den Geowissenschaften gut begründen (Theorie und Praxis).

 

Herbe Kritik erfuhren auch die gängigen Campus-Management –Systeme, die das Modulhandbuch samt ECTS-Punkten  und Prüfungskonzept elektronisch abbilden sollen. Offensichtlich funktioniert kein System voll zufriedenstellend. Es darf nicht soweit kommen, dass Modulinhalte auf Abbildbarkeit im Management-System, und nicht auf inhaltlich-didaktische Vorgaben abgestimmt werden.

 

Herr Thomas Rose repräsentierte den neuen Dachverband der Bundesfachschaftentagung („Gestein“) und stellte thematisch passend die „Richtlinien der Bundesfachschaftentagung Geowissenschaften zur Ausgestaltung und Akkreditierung von Studiengängen“ vor.

Große Teile des Papiers fanden volle Zustimmung der versammelten Studiengangs-Manager. Ergänzungs- und Verbesserungswünsche sollen an die BuFaTa weitergeleitet werden.

 Äußerst gespannt wurden die Ausführungen von Tamara Fahry-Seelig zu den Einstiegsgehältern bei den Geowissenschaftlern verfolgt. Hier hatte der BDG eine Umfrage unter den Geobüros durchgeführt. Durchschnittlich verdient ein Berufseinsteiger in den ersten zwei Jahren 32.000 Euro. Immerhin 26 % der befragten jungen Geowissenschaftler verdienen zwischen 30.000 und 36.000 Euro p.a., bei 32% sind es 24.000 bis 30.000 Euro p.a. Die Aufstiegschancen bei längerer Berufserfahrung sind gut. Gehälter in den Ämtern, Behörden, Hochschulen und Forschungsinstituten sind nach den Bestimmungen des Öffentlichen Dienstes geregelt. Die Geowissenschaftler in der Industrie waren nicht die Befragung einbezogen worden.

Die Arbeitslosigkeit steigt derzeit leicht an. Hier wirkt sich auch der Preisverfall im Rohstoffbereich aus. Bedenklich ist diese Entwicklung bei Vergleich mit den enorm gestiegenen Studierendenzahlen, die in Kürze als Absolventen den Arbeitsmarkt erreichen werden.

 

Auf Wunsch der Vertreter des akad. Mittelbaus stand auch das Thema „Prekäre Anstellungsverhältnisse“ in den Geowissenschaften auf der Agenda. Zumindest aus den hier versammelten Instituten wurden keine fachspezifischen Exzesse berichtet. Das Prekariatsproblem, so schwerwiegend es auch ist, scheint in seiner Extremform nicht bei den Geowissenschaften angekommen, zumindest was die Hochschulen betrifft.

Hauptproblem ist und bleibt die 12-Jahres-Regel, die in vielen Fällen dazu führt, dass  hochqualifizierte wissenschaftliche Mitarbeiter aus dem Mittelbau ihre akademische Karriere beenden. Dringend nötiges Fachwissen fehlt dann, sogar in der Lehre, obwohl die Mittel vorhanden wären. Ein ehrliches Tenure-Track Modell als alternativer Weg ist die Forderung.  Bundesbildungsministerin Johanna Wanka startet eben eine Initiative mit1 Mrd € Finanzvolumen. Nun muss dringend darauf geachtet werden, dass das Geld sein Ziel – die Förderung des akademischen Nachwuchses- erreicht, und nicht wieder in Landeshaushalten versenkt wird, wie dies zum Teil mit den freigewordenen BAFÖG Mitteln des Bundes geschieht. Immer wieder erstaunt die Pluralität der Regelungen in den einzelnen Ländern, wie z.B. bei der Lehrverpflichtung von Doktoranden oder PostDocs.

Das von den Teilnehmern sehr positiv aufgenommene BDG-Studienforum wird wunschgemäß im jährlichen Turnus weitergeführt. Wir dürfen uns bereits auf das nächste Treffen im Frühjahr 2016 in Aachen freuen und hoffen auf rege Teilnahme sowie lebhafte Diskussionen.

Tamara Fahry-Seelig und Helmut Heinisch

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